Perfektionismus bei Designern: Warum dein hoher Anspruch auch eine Stärke sein kann

Kennst du das? Du suchst seit Stunden (oder gefühlt seit Tagen) nach der perfekten Schrift für dein Layout. Oder du sitzt ewig an einem Moodboard und tauschst immer wieder Bilder aus, weil es sich noch nicht ganz richtig anfühlt. Vielleicht bastelst du auch schon seit Monaten an deiner eigenen Website und sie ist immer noch nicht online, weil sie einfach noch nicht gut genug ist.

Wenn du dich hier wiedererkennst, bist du in guter Gesellschaft. In meiner Arbeit als Coach für Designer:innen und kreative Führungskräfte begegnet mir kaum jemand, der nicht zum Perfektionismus neigt. Aber ist dieser Perfektionismus für Designer wirklich nur ein Hindernis – oder steckt darin vielleicht deine größte Stärke?


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In Folge 003 spreche ich darüber, was das Gute am Perfektionismus ist. Hör jetzt rein.


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Wie beeinflusst Perfektionismus die Arbeit von Designern?

Perfektionismus ist im Design ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sorgt er für die Brillanz, die wir an exzellenter Gestaltung lieben. Andererseits ist er oft der Grund für Überstunden, Frust im Team und Prokrastination.

Häufig äußert sich das so:

  • Ewiges Hinauszögern: Projekte werden nicht fertig, weil der letzte Schliff zur unendlichen Geschichte wird.

  • Sichtbarkeits-Blockaden: Social-Media-Kanäle bleiben leer, weil der Anspruch an den ersten Post utopisch hoch ist.

  • Stress & Erschöpfung: Du arbeitest länger als alle anderen, weil du erst zufrieden bist, wenn jedes Detail perfekt sitzt.

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen: Ich kenne diesen hohen Anspruch sehr gut. Früher war ich oft meine härteste Kritikerin. Erst durch bestimmte Wendepunkte und einen bewussten Perspektivwechsel in meinem Leben habe ich gelernt, dass Qualität nicht zwangsläufig mit „Fehlerfreiheit“ gleichzusetzen ist. Manchmal ist ein „gut genug“ genau das, was ein Projekt voran bringt.


Der „innere Antreiber“: Ein Blick hinter die Kulissen

In der Psychologie (speziell in der Transaktionsanalyse) sprechen wir beim Perfektionismus oft von einem sogenannten „inneren Antreiber“. Diese Programme laufen bei uns meist auf Autopilot. Sie sind in der Kindheit entstanden und treiben uns heute unbewusst an.

Das ist erst einmal nichts Schlechtes. Dieser Antreiber sorgt dafür, dass du gewissenhaft bist. Kritisch wird es erst, wenn er dich stresst oder deine Zusammenarbeit im Team belastet, weil du auch bei anderen unrealistische Maßstäbe setzt. 

Wie gehe ich als Designer also mit Perfektionismus um? Der erste Schritt ist immer das Bewusstsein, also deinen Antreiber wahrzunehmen: „Ah, da ist er wieder, mein Antreiber.“


Tipps für Designer, um Perfektionismus produktiv zu nutzen

Du musst deinen Perfektionismus nicht loswerden. Es geht darum, die richtige Dosis zu finden. Wenn du ihn clever steuerst, wird er zu einer echten Stärke:

  1. Struktur als Anker: Nutze deinen Ordnungssinn, um saubere Prozesse und Design-Systeme aufzubauen. Davon profitierst du (und dein Team) langfristig.

  2. Fehlerquote minimieren: Setze deinen hohen Anspruch gezielt in der Reinzeichnung oder bei komplexen Briefings ein – dort ist er Gold wert.

  3. Die 80/20-Regel (Pareto-Prinzip): Frage dich bewusst: Welcher Teil des Designs braucht wirklich 100 % Perfektion und wo reichen 80 %, um den Kunden zu begeistern?

  4. Zeitlimits setzen: Gib dir für die „Schrift-Suche“ einen festen Timer. Wenn die Zeit um ist, wird mit der besten aktuellen Option weitergearbeitet.


Gemeinsam den Fokus neu ausrichten

Wenn du merkst, dass dich dein Anspruch eher ausbremst als unterstützt, also wenn er dich blockiert, Entscheidungen zu treffen oder endlich mit deinem Business rauszugehen, dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Genau solche Themen sehen wir uns gemeinsam in meinem Coaching an. Wir arbeiten daran, deine inneren Antreiber zu verstehen, sie ein Stück weit zu „deaktivieren“ und einen gesunden Umgang mit deinem Qualitätsanspruch zu finden. So gewinnst du deine Leichtigkeit im kreativen Prozess zurück, ohne an fachlicher Tiefe zu verlieren.

Perfektion ist am Ende eine Illusion. Was für dich perfekt ist, sieht jemand anderes vielleicht ganz anders. Am Ende geht es darum, zu wissen, wann es Zeit ist, loszulassen.

Möchtest du lernen, deinen Perfektionismus produktiv für dich zu nutzen? Lass uns in einem kostenlosen Erstgespräch herausfinden, wie ich dich bei deiner Gründung, Führung oder Positionierung begleiten kann.

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