Brauchst du als selbstständiger Designer:in eine Website oder reicht ein Portfolio?
Viele selbstständige Designer:innen stellen sich irgendwann dieselbe Frage: Brauche ich eine Website?
Auf den ersten Blick wirkt sie logisch. Schließlich gehört eine Website scheinbar zur Grundausstattung jedes professionellen Business. Doch wenn man genauer hinschaut, merkt man schnell: Diese Frage greift viel zu kurz.
Denn in Wahrheit geht es nicht um Technik. Nicht um Tools. Und auch nicht um Design. Es geht um Identität.
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In Folge 012 spreche ich darüber, was wirklich hinter der Frage “Brauche ich eine Website?” steckt.
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Du sitzt vor deinem Rechner. Figma ist offen, InDesign, Illustrator und natürlich dein Website-Builder im Browser-Tab. Seit drei Wochen schiebst du Bilder von links nach rechts. Du änderst die Headline von „Design mit Herz“ zu „Design mit Strategie“ – und wieder zurück.
Seien wir ehrlich: Das ist kein Design-Prozess. Das ist eine Vermeidungstaktik.
Oft sagen wir uns: „Wenn die Website erst mal perfekt steht, dann geht’s richtig los. Dann bin ich Profi und erhöhe meine Preise.“ Doch als Webdesignerin sehe ich täglich, dass die Technik selten das Problem ist. Die Website ist oft nur das perfekte Ablenkungsmanöver, um sich einer viel wichtigeren Frage nicht stellen zu müssen: Wer bin ich eigentlich am Markt und wofür will ich stehen?
Warum eine schöne Website allein keine Kunden bringt
Wir Designer:innen lieben Ästhetik. Wir wollen, dass die Typografie perfekt sitzt und die Farbpalette harmoniert. Aber eine Website ist kein digitales Poster – sie ist ein funktionales Business-Werkzeug, das eine gezielte Customer Journey (Kundenreise) abbilden muss.
Expertise-Check: Eine Website ohne klare Positionierung ist wie ein High-End-Sportwagen ohne Motor: Er sieht im Showroom fantastisch aus, bewegt dich aber keinen Meter voran. Wenn du keine Klarheit über dein Angebot hast, kann die schönste Seite der Welt nicht konvertieren.
Die Portfolio-Falle
Im Studium oder in der Agentur lernen wir: Wer einen Job will, der braucht ein Portfolio. Also bauen wir eine digitale Galerie, laden (fiktive) Projekte hoch und warten.
Das Ergebnis? Meistens passiert gar nichts. Oder es kommen Anfragen der Marke: „Machst du auch schnell ein Logo? Und was kostet das?“
Das passiert, wenn du deine Website wie Dekoration behandelst, statt sie als Teil deiner Marketing-Strategie zu sehen. Du nutzt sie, um „professionell zu wirken“, statt zu zeigen, welches spezifische Problem du für wen löst.
Die Entscheidung: Welches Business-Konzept fährst du?
Die Frage, ob du eine Website brauchst, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es kommt darauf an, wen du erreichen willst und wie du dich aufstellen möchtest. Es gibt meiner Meinung nach unterschiedliche Szenarien. Hier sind die zwei gängigsten für dich:
Freelancer
Zielgruppe: Agenturen
Verkaufsargument: Kapazitäten/Tool Skills (Figma, Photoshop, Midjourney)
Website Rolle: PDF / Portfolio Link
Fokus: Was kann ich?
Experten
Zielgruppe: Direktkunden/Unternehmen
Verkaufsargument: Strategie, Lösung & Vertrauen
Website Rolle: Digitaler Stellvertreter & Vor-Qualifizierung
Fokus: Welches Problem löse ich für dich?
Du siehst zwei unterschiedliche Ansätze und somit unterschiedliche Anforderungen an deine Website.
Die Website als Spiegel deiner Identität
Warum fühlt sich das Projekt „eigene Website“ für uns Designer:innen so schwer an? Nicht, weil wir die Tools nicht beherrschen. Sondern weil die Website gnadenlos aufdeckt, wo wir unsicher sind. Sie zwingt uns, Fragen zu beantworten, die wehtun:
Wer bin ich? (Brand Identity)
Für wen arbeite ich wirklich? (Zielgruppe)
Was unterscheidet mich von Billig-KI-Plattformen? (Unique Value)
Wozu sage ich konsequent „Nein“? (Fokus)
Wenn du Angst hast, dich festzulegen, wird deine Website schwammig. „Ich mache alles rund um Design“ ist die höfliche Umschreibung für „Ich weiß noch nicht, wer ich am Markt bin“.
Hab Mut zum „Unperfekten“ Start
Eine indexierte Website, die zu 80% steht, ist viel wertvoller als ein lokaler Entwurf, der nie das Licht der Welt erblickt. SEO/AEO brauchen Zeit, und dein Google-Ranking beginnt an dem Tag, an dem du live gehst – nicht an dem Tag, an dem du die letzte Überschrift setzt. Also:
Better done than perfect: Fang an, deine Positionierung zu testen.
Iteratives Design: Deine Website ist ein lebendes Dokument. Sie darf (und muss) mit deinem Business wachsen.
Fazit: Sichtbarkeit erfordert Mut
Vielleicht brauchst du gerade gar keine neue Website, sondern den Mut für eine Entscheidung. Sichtbar zu sein bedeutet nämlich nicht nur eine Website online zu haben, sondern auch: Du wirst bewertet, verglichen und auch mal abgelehnt. Aber genau das ist die Voraussetzung für echtes Wachstum und für Premium-Preise.
Deine Website ist nur die Oberfläche. Die Strategie darunter ist das, was dich als Expert:in ausmacht.
Du willst die Perfektionismus-Falle endlich verlassen?
Ich kenne das Zögern, das endlose Schieben von Bildern und neuen Schriften und die Angst vor der Sichtbarkeit nur zu gut – ich war selbst jahrelang als Designerin in diesem Hamsterrad. Heute begleite ich als Coach für Designer:innen Menschen wie dich dabei, den Bauchladen aufzuräumen.
Wenn du merkst, dass du nicht an deiner Technik scheiterst, sondern an deiner Positionierung oder dem Wunsch nach einer beruflichen Neuausrichtung, dann lass uns die Abkürzung nehmen.
Ich unterstütze dich dabei:
Deinen wahren Marktwert zu erkennen und dich klar zu positionieren.
Die Identitätskrise ("Wer bin ich ohne meine Tools?") in echte Souveränität zu verwandeln.